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Die Rituale und Sitten in den Blauen

Bergen Südindiens

Nilgiri – Muthanadu Mund – Tempelbauten – Astronomie – Poyandrie – Rituale

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“Hardly fifty years ago, in penetrating the jungles of the Blue or Neilgherry Hills in Southern Hindustan, a strange race, perfectly distinct in appearance and language from any other Hindu people, was discovered by two courageous British officers who were tiger-hunting. Many surmises, more or less absurd, were set on foot, and the missionaries, always on the watch to connect every mortal thing with the Bible, even went so far as to suggest that this people was one of the lost tribes of Israel, supporting their ridiculous hypothesis upon their very fair complexions and “strongly-marked Jewish features.” The latter is perfectly erroneous, the Todas, as they are called, not bearing the remotest likeness to the Jewish type; either in feature, form, action, or language. They closely resemble each other, and, as a friend of ours expresses himself, the handsomest of the Todas resemble the statue of the Grecian Zeus in majesty and beauty of form more than anything he had yet seen among men.

 

Helena Blavatsky, geb. Petrovna von Hahn-Rottenstein, Isis Unveiled, 1877.

 

„Will man die Todas näher kennenlernen, so muß man zu ihnen hinauf auf dieses Hügelland der Berge. Eine mattschimmernde öde Graswüste bedeckt dort ein weites Hochland, in dessen flachen Senkungen die Reste wilder Urwaldvegetation unter dem Einfluß des Höhenklimas fast völlig verkümmert sind. Am Saume dieser sterbenden Wälder und in den geschützten Tälern liegen, weit zerstreut, die kleinen Siedlungen dieser Todas, die „Clans“. Schmale Pfade führen uns in die Einsamkeit dieses Hochlandes. Bald liegen die herrlichen Eukalyptuswaldungen, welche das breite Tal der Bergstation Ootacamund mit würzigem Duft erfüllen, hinter uns, und wir schreiten hinaus in diese hemmungslose Freiheit der „Downs“, deren sanft bewegten Linien das Auge in die unendliche Ferne folgt. […] Die Frauen sind auffallend hübsch und anmutig. Ein dunkles, leuchtendes Augenpaar blickt uns aus dem von pechschwarzen, lang herabfallenden Locken umrahmten Gesicht entgegen. Die Todas sind drawidische Abkömmlinge. Beide Geschlechte sind von hohem stattlichen Wuchs, haben jedoch merkwürdigerweise fast nichts mit dem ursprünglichen Typus der übrigen Ureinwohnerstämme Indiens gemein. Auch die ebenmäßigen Gesichter mit hoher Stirn und Hakennase, sowie der längliche, an den Typ des Indogermanen erinnernde Schädel unterscheiden sich stark von demjenigen des breiten und gedrungenen Drawiden. Zudem ist die Färbung der Haut, besonders auch bei den Frauen, hell, wie bei den arischen Völkern des nördlichen Reiches. Zweifellos handelt es sich um eine der ältesten Rassen Indiens, die die Berge zu ihrer engeren Heimat erwählt haben und infolge ihrer naturbedingten Abgeschlossenheit wohl zu den reinsten Rassentypen der Drawiden im südlichen Indien zählen. Eine mangelnde Regeneration des Blutes und die als Volkssitte unter den Todas herrschende Polyandrie ist jedoch von verhängnisvoller Wirkung auf die Fortentwicklung des Stammes gewesen, und nur einige Hundert sind es noch, die heute ihre romantische Heimat, die Blauen Berge, bewohnen. Es sind die Letzten ihres Geschlechts, dessen Rest leider unter der zersetzenden Wirkung dieser vernichtenden Erscheinungen langsam aussterben wird. Die Toda-Ehe vollzieht sich im Kreise ihrer engen Rassengemeinschaft, wobei eine Frau mehrere, oft bis zu acht und zehn Männer besitzt.“

 

Erwin Drinneberg, Von Ceylon zum Himalaja (Ein Reisebuch), Berlin 1926, 114 ff.

 

 

Tempelfest der TodasAbb. Tempelfest der Todas: Heiliger Tanz um den steinernen Idol (Obelisk).

 

Abb. Ein erwachsener und ein jugendlicher Priester vor dem Milchtempel.

Abb. Vorbereitung der Bambusringe für Restaurierung des Tempels.

Abb. Der Haupteingang in den Haupttempel der Todas. Eine hölzerne Leiter wird zwecks Renovierung hingestellt. Das Heiligtum wird alle 13 jahre erneuert.

 

Tempelfest der TodasAbb. Bambusringe dienen für die Fixierung des Strohbedeckten Tempeldaches (Gopuram).

Abb. Gefährliches Finale: Der Hohepriester trägt ein schweres konisches Monolith als Symbol des Lichtes auf die Spitze des Tempeldaches

Abb. Monolith wird fixiert.

Abb. Frauen durfen den heiligen Bezirk nicht betreten und warten außerhalb der Steinmarkierung.

Abb. Freilichtküche – das Vorbereiten der Köstlichkeiten ist eine Aufgabe junge Männer, weil die Frauen den heiligen Tempelbezirk nicht betreten dürfen.

Abb. Rein Bio! Junge Männer bei der Vorbereitung des „Prasad“ (die heiligen Süssigkeit mit Wildhonig).

Tempelfest der TodasAbb. Ältere Frauen und auf Frisierung wartendes Mädchen vor dem Tempelfest.

Abb. Junge Toda Frauen werden charakteristisch frisiert.

Abb. Toda Mädchen und junge Frauen verhalten sich beim Tempelfest eher zurückhaltend. Es gibt eine strenge Trenung der Geschlechte.

Tempelfest der Todas

Abb. Nachträglicher Bericht vom seltenen Tempelfest der Todas im Indian Express, Coimbatore, 27. Februar 2007, S. 3. (recht oben das Interview mit dem Autor).

Abb. Toda Knaben (rechts mit dem Autor).

Abb. Toda Knaben mit jugendlichen Priester. Kinder und Jugendliche sind sehr selbstbewußt und posieren gerne für die Gruppenaufnahmen.

Abb. Dorfleben der Todas.

Abb. Paradiesisch anmutende Landschaft in den Nilgiri, den Blauen Bergen.

Abb. Blaue Berge des „ewigen Frühlings“.

Abb. Munds, die kleinen Dörfer der Todas in den Nilgiri.

Abb. Zwei historische Aufnahmen von Todas.

Abb. Historische Fotographie einer Toda-Familie.

Abb. Wildes Leben in den Nilgiri.

Abb. Frühling im Winter.