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Das Zeitalter eines Großwildjägers

Graf Széchenyi Zsigmond

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(Die Veröffentlichung der Photographien mit freundlicher Genehmigung von Gräfin Széchenyi)

 

 

SchneeelephantAm Anfang der Erzählung steht inmitten einer märchenhaft verschneiten Winterebene ein winzig kleiner Schneeelefant. Das Szenario wirkt raumlos und zeitlos, fast surrealistisch. Wie ein Produkt einer weitläufigen Fantasie ohne Ende. Weit entfernt von der gegebenen Realität, kontrovers und weltfremd deplaciert irgendwo in einem konträren idyllischen Weiße. Ein ungewöhnliches Elefantenbaby in einer ganz gewöhnlichen europäischer Winterlandschaft, wo die klirrende Kälte durch die eisigen Windstöße in ihrer Härte mehrfach übertroffen wird. Und es ist im Königreich Ungarn. Vor langer, sehr langer Zeit… Dieses symbolische Gedankenspiel wurde auf einer schön erhaltenen Photographie verewigt. Die schmelzende Schneefigur kündigt bereits den ausklingenden Winter und den herannahenden Frühling. Ihre Linien sind klar. Sie zeigen ungewöhnlich realistische Züge, die durch die ersten milden Sonnenstrahlen noch mehr erweicht worden sind, ein Kunstwerk, wie es nur der naiven Fantasie eines Kindes entspringen kann: Die Schneeskulptur des Elefanten, so fremd sie in der weißen Kulisse wirken mag, ist ein wahrer Meisterstück. Eine vordeterminierte Reminiszenz eines weit entfernten Ideals, fast im platonischen Idealismus verankert. Sie ist die reine Form angenommene Traumwelt eines kleinen Knaben, der seine innigsten Kindheitsträume später weit fern von seiner Heimat, in fremden exotischen Ländern, in Afrika und Indien, zu verwirklichen sucht. Es sind die gleichen Träume, die seinen schöpferischen Geist zum Aufstieg forderten und es ist derselbe Enthusiasmus, an welchem er schließlich in reifen Jahren bitter scheitert. Man möge es vielleicht sagen, eine subjektive Inversion des Lebens. Nein, sein Scheitern liegt nicht an persönlichen Versagen, sondern wie so oft an objektiven Umständen, ungewollten, unvorhersehbaren und tragischen Umständen. Aber da steht noch ein vereinsamter schneeweißer Traum, rein und fest für die menschliche Größe, Stärke und Ausdauer. Das Schneeweiß ist die Farbe der Unschuld. Der Schnee als Aggregatzustand des Wassers, ist die Allegorie der Vergänglichkeit der Materie. Das Tauwasser symbolisiert die Umwandlung zur Wiedergeburt im Frühling. Eine perfekte Metapher eines sinngemäßen menschlichen Daseins. Ein fast perfektes Epos, könnte man wohl sagen. Wie in einem gut inszenierten Drehbuch: Perfekt von der Blende bis zum Vorhang. Ein neuerleuchteter urzeitlicher Mythos, in dem der Hauptdarsteller wie ein Gilgamesch mit der Unsterblichkeit ringt, letztendlich aber doch auf sein Leben wie der Architekt eines brüchigen Elfenbeinturmes zurückblickt. Im Endeffekt ist es eine zeitverschobene babylonische Turmbau des Königs Nimrod, des großen Jägers vor dem Herrn…

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„Jagd. – Das ist jagen und Waldesrauschen. Aber mehr Waldesrauschen.“

Graf Zsigmond Széchenyi

(1898-1967)

Graf Zsigmond Széchenyi mit seinem Königstiger in Dschungel von Mysore

Graf Zsigmond Széchenyi mit seinem Königstiger im Dschungel des Fürstentums Mysore im Jahre 1938

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Gräfin Széchenyi Zsigmondné

Die Witwe des Grafen Zsigmond Széchenyi (Bwana Kelele), geb. Margit Herthelendy (Frau Mangi) mit Mag. Manju Sarala Nair und mit dem Autor in ihrer Budapester Wohnung am 6. 5. 2009 beim Gespräch über die schrifstellerische Tätigeit ihres Ehemannes in Afrika und Indien